Tiefgang // Wissenschaft

Energiequellen

  • Etusan III ermöglichte extrem effiziente Energieerzeugung, unter anderem in Kernfusion
  • Fusionsreaktoren dominierten bereits vor der Katastrophe die globale Energieversorgung
  • Etusan-Energie trieb Kybernetik, KI-Systeme und Raumfahrtantriebe an In Babylon läuft noch immer ein Fusionsreaktor unter Kontrolle der Ghostliner
  • Treibstoffe für Fahrzeuge und Generatoren sind in der Gegenwart strategische, knappe Energieformen

Der Einfluss von Etusan III prägt die Energieversorgung der postapokalyptischen Welt bis heute. Schon vor dem Meteoritenhagel gelang es Forschern, mit dem seltenen Isotop stabile, leistungsstarke Plasmen zu erzeugen und Kernfusion effizient durchzuführen. Diese Technologie revolutionierte die Energieproduktion. Kernfusion auf Basis von Etusan lieferte Energiemengen, die frühere Vorstellungen nachhaltiger Versorgung weit übertrafen. Die Reaktoren benötigten keine fossilen Brennstoffe und betrieben gigantische Anlagen für Forschung, Kybernetik und Hightech-Industrie.

Die neuen Energiequellen versorgten nicht nur stationäre Einrichtungen, sondern auch mobile Systeme. Implantate, Cyberdecks, ExoLinks™ und KI-Architekturen bezogen ihre Energie teils direkt aus tragbaren oder stationären Etusan-Generatoren. Leistungsstarke Akkumulatoren speicherten Überschüsse und machten Energie nahezu überall verfügbar, solange Zugang zu einem Netz oder einer Primärquelle bestand.

Auch die Raumfahrt profitierte massiv. Etusan-betriebene Fusionsantriebe ermöglichten Transporte zwischen Erde, Mond und Mars und später Missionen bis zum Neptun und zur Etusan-Partikelwolke. Regierungen und Konzerne errichteten Raumdocks, Forschungsstationen und Energieinfrastrukturen außerhalb der Erde. Diese Anlagen produzierten Antriebssysteme, experimentelle Energiekerne und Komponenten für interplanetare Expansion. Neben der Fusion erforschten einige Einrichtungen alternative Formen der Etusan-Energieumwandlung, darunter direkte Plasmaleitung, supraleitende Speicher und photonische Energiekanäle. Diese Technologien blieben selten, wartungsintensiv und riskant, galten jedoch als vielversprechend für militärische Anwendungen, spezialisierte Kybernetik oder Hochleistungsantriebe.

In Babylon befindet sich noch immer ein funktionstüchtiger Fusionsreaktor. Die Ghostliner sichern und warten die Anlage. Sie versorgt Überwachungssysteme, Kommunikationsnetzwerke und zentrale Infrastruktur mit stabiler Energie. Solange dieser Reaktor arbeitet, bleibt Babylon technologisch anderen Siedlungen überlegen.

Außerhalb dieses Netzes ist die Situation deutlich fragmentierter. Solarzellen auf Dächern verlassener Gebäude liefern tagsüber Strom für Beleuchtung, Funktechnik und kleinere kybernetische Systeme. Windgeneratoren aus recycelten Turbinenkomponenten drehen sich über improvisierten Siedlungen. Biogeneratoren wandeln organische Abfälle, Pflanzenreste oder tierische Fette in elektrische Energie um. In wasserreichen Regionen treiben provisorische Wasserkraftwerke Generatoren an. Akkumulatoren und umgebaute Industriespeicher puffern die unregelmäßige Einspeisung.

Eine weitere, oft unterschätzte Energieform sind Treibstoffe. Vor der Apokalypse hatte die Welt fossile Brennstoffe weitgehend ersetzt oder ergänzt. Synthetische Kraftstoffe, hergestellt mithilfe von Fusionsenergie und atmosphärischer Kohlenstoffbindung, versorgten Flugzeuge, Schwerlasttransporte und militärische Systeme. Hochleistungsakkumulatoren und Etusan-basierte Energiespeicher machten viele klassische Verbrennungsmotoren überflüssig. Mobile Generatoren arbeiteten effizienter, leiser und emissionsärmer als alles, was im frühen 21. Jahrhundert üblich gewesen war.

In der postapokalyptischen Gegenwart verschiebt sich dieses Bild deutlich. Raffinerien existieren kaum noch, industrielle Syntheseanlagen sind außer Betrieb. Überlebende greifen deshalb wieder auf vorhandene Restbestände von Diesel, Benzin und Kerosin zurück. Alte Tanklager werden geplündert, unterirdische Depots ausgegraben, verlassene Militärstützpunkte durchsucht. Gleichzeitig entstehen neue, improvisierte Produktionsformen: Ethanol aus vergorenen Pflanzen, Biodiesel aus tierischen Fetten oder gebrauchten Ölen, sogar aus Kunststoff gewonnene Pyrolyseöle. Die Qualität schwankt stark, was Motoren anfälliger für Schäden macht.

Generatoren, die mit Treibstoff betrieben werden, fungieren als mobile Kraftwerke. Sie versorgen Werkstätten, medizinische Stationen oder Verteidigungsanlagen mit Energie, solange Nachschub vorhanden ist. Konvois nutzen ihre Fahrzeuge, um Batterien zu laden oder temporäre Außenposten zu betreiben. Treibstoff bestimmt damit, wer sich bewegen kann, wer Handel treibt und wer isoliert bleibt.

Selbst provisorische Energiequellen ermöglichen den Betrieb von Kommunikationsgeräten, Kühlsystemen, Beleuchtung oder Notfall-Kybernetik. Sie erreichen nicht die Leistungsfähigkeit der großen Fusionsreaktoren der Vorkrisenzeit, schaffen jedoch die Grundlage für Stabilität in einer fragmentierten Welt. Jede funktionierende Energiequelle ist umkämpft, da sie Einfluss, Sicherheit und Kontrolle bedeutet.

Dennoch: Etusan bleibt die mächtigste bekannte Energieform. Wer Zugang zu einem Reaktor oder zu funktionierenden Etusan-Generatoren besitzt, kontrolliert Infrastruktur und Informationsflüsse ganzer Zonen. Gleichzeitig entscheiden Kanister mit brauchbarem Treibstoff oft über das unmittelbare Überleben. In dieser Koexistenz aus Relikten höchster Technologie und improvisierter Verbrennung spiegelt sich der Zustand der Welt nach der Apokalypse.