Tiefgang // Fraktionen

Ghostliner

  • Ehemalige Spezialisten der Revenants, die das Umspannwerk übernahmen und sich als Ghostliner neu formierten
  • Kontrolle über Umspannwerk, Energieverteilung und Teile der Kommunikationsinfrastruktur Babylons
  • Nutzung von Holomasken und kollektiver Anonymität; Identitäten bleiben selbst für Überwachungssysteme unklar
  • Verschlüsselte Broadcast-Kanäle mit einer KI-basierten Propagandastimme, die Transparenz fordert und Daten veröffentlicht
  • Angespanntes Verhältnis zu den Revenants; technische Eingriffe, Störungen und Systemmanipulationen ersetzen offene Gefechte

Moderne Streitkräfte stützten sich lange vor dem Weltuntergang auf digitale Infrastrukturen. Informationsnetze, Energieverteilung und automatisierte Systeme bildeten das Rückgrat jeder Operation. Noch bevor Evakuierungen anliefen oder Sicherheitszonen errichtet wurden, priorisierten IT-Offiziere Datenströme, stabilisierten Satellitenverbindungen und überwachten kritische Steuerungen. Kontrolle über Systeme bedeutete Handlungsfähigkeit.

Auch in New Orleans übernahmen militärische Techniker und Netzwerkspezialisten in den ersten Tagen der Krise die digitale Koordination. Sie regelten die Energieflüsse zwischen Wasserwerk und Umspannwerk, hielten Drohnennetze funktionsfähig und sicherten Serverstrukturen gegen externe Zugriffe. Während Einheiten Straßensperren errichteten, lief im Hintergrund die technische Absicherung der Stadt.

Mit dem Ausbleiben klarer Befehle erkannten viele dieser Spezialisten früh, dass die zentrale Befehlskette dauerhaft geschwächt war. Die militärische Struktur funktionierte formal weiter, verlor jedoch zunehmend an realer Steuerungsfähigkeit. Innerhalb dieser technischen Einheiten wuchs die Überzeugung, dass Infrastruktur nicht dauerhaft einer einzelnen, isolierten Kommandostruktur unterliegen dürfe.

Die spätere Abspaltung verlief unspektakulär und präzise. Zugriffsebenen wurden neu definiert, Authentifizierungen geändert, Netzsegmente voneinander getrennt. Als die militärische Führung eingriff, war das Umspannwerk bereits unter neuer Kontrolle. Steuerungssysteme reagierten nicht mehr auf die alten Befehlsketten. Es kam zu keiner offenen Auseinandersetzung, aber die Trennung war eindeutig. Diese Gruppe gab sich den Namen Ghostliner.

Heute kontrollieren die Ghostliner das Umspannwerk und wesentliche Teile der Energieverteilung innerhalb Babylons. Ihr Einfluss reicht über physische Anlagen hinaus, da sie Routing, Lastverteilung und Teile der verbliebenen Kommunikationsstruktur überwachen. Entscheidungen über Energiepriorisierung haben direkte Auswirkungen auf alle Fraktionen.

Ghostliner treten selten ohne technische Verschleierung auf. Bei physischen Einsätzen verwenden sie adaptive Holomasken, die Gesichter durch Projektionen überlagern. Die Darstellungen variieren stark und reichen von abstrakten Mustern bis zu verzerrten Silhouetten. Eine eindeutige Identifizierung einzelner Mitglieder ist dadurch kaum möglich, und kybernetische Optiken wie Kamerasysteme nehmen sie lediglich als verschwommene Pixel und Glitches wahr. Anonymität als ein kollektives Prinzip.

Die Ghostliner verfügen über verschlüsselte Broadcast-Kanäle. Sie nutzen Frequenzwechsel, injizieren kurze Sequenzen in bestehende Netze oder übernehmen für Sekunden öffentliche Anzeigen. Die Kommunikation nach außen erfolgt über eine synthetische Stimme. Diese Stimme basiert auf einer KI-Instanz, die Informationen bündelt und strukturiert ausgibt. Ob es sich um ein weiterentwickeltes Sprachsystem oder um einen fragmentierten militärischen KI-Kern handelt, ist nicht öffentlich bekannt.

Inhaltlich konzentrieren sich ihre Übertragungen auf Transparenz und Machtbalance. Sie veröffentlichen Daten zu Ressourcenverteilungen der Revenants, weisen auf Unregelmäßigkeiten hin oder kündigen technische Anpassungen an. Innerhalb Babylons werden sie von manchen als notwendiges Gegengewicht zu stärker hierarchisch organisierten Gruppen gesehen, von anderen als schwer kalkulierbare Terrorinstanz.

Viele Mitglieder sind stark augmentiert. Neuronale Schnittstellen ermöglichen direkten Zugriff auf Steuerungssysteme, implantierte Module unterstützen Verschlüsselung und Datenverarbeitung. Diese Nähe zur Infrastruktur erhöht ihre Effizienz, bringt jedoch auch Risiken mit sich. Hohe Systembelastung, Interferenzen oder Fehlkonfigurationen wirken sich unmittelbarer auf sie aus als auf weniger augmentierte Personen. Das Verhältnis zu den Revenants bleibt angespannt. Die Revenants kontrollieren das Wasserwerk und sichern physische Zugänge, während die Ghostliner Energieflüsse und Teile der Kommunikationsstruktur verwalten. Offene Gefechte sind selten, doch technische Störungen durch direkte Eingriffe, Jammer oder gar EMPs, eingeschränkte Zugriffe und gegenseitige Absicherungsmaßnahmen prägen den Alltag.

Man sagt: Wenn das Licht flackert, hören die Ghostliner zu. Wenn ein Bildschirm für einen Herzschlag schwarz wird, beobachten sie. Und wenn aus einem alten Lautsprecher eine synthetische Stimme spricht, ist das eine Drohung.