Kurzzusammenfassung
- Nach dem Zusammenbruch der Befehlskette in New Orleans entstanden die Revenants als eigenständige Soldateneinheit
- Sie beherrschten einst weite Teile Babylons, gaben die Elysium Station jedoch strategisch ab
- Heute kontrollieren sie nur noch das Wasserwerk und das U-Bahn-Netz; das Umspannwerk ging an die Ghostliner verloren
- Die Abspaltung erfolgte technisch statt militärisch, seither herrscht ein angespanntes Patt
- Streng hierarchisch organisiert, sehen sie sich als letzte Bastion der Ordnung und durch die Wasserkontrolle als unverzichtbar
Für jedes Land war im Krisenfall das Militär die erste Instanz, um Logistik und Versorgung aufrechtzuerhalten. Bereit, für den Schutz der Zivilisten zu sterben, übernahmen Soldaten und Spezialisten zahlreiche Aufgaben, um den Zusammenbruch der Gesellschaft zu verhindern. Sie sicherten kritische Infrastruktur, errichteten Sicherheitszonen, koordinierten Evakuierungen und hielten Kommunikationslinien offen – selbst dann noch, als die zivilen Strukturen längst zerfielen.
Auch in New Orleans riegelte die Army binnen kürzester Zeit zentrale Knotenpunkte ab. Wasserwerk, Umspannwerk, Krankenhäuser, Flugfeld und wissenschaftliche Einrichtungen standen unter militärischer Verwaltung. Befehle kamen über verschlüsselte Kanäle, Prioritäten wechselten im Stundentakt, doch der Grundsatz blieb derselbe: Ausharren, bis das Oberkommando neue Anweisungen erteilte – egal wie lange es dauerte.
Mit dem Ausbleiben klarer Befehle begann jedoch die Erosion der Befehlskette. Ein Teil der Truppe hielt unbeirrt an Protokollen fest, konservierte Hierarchien und wartete auf eine Rückkehr alter Ordnung. Andere erkannten, dass es kein „Danach“ mehr gab, das von oben geregelt würde, und dass die Army nicht mehr existiert. Sie lösten sich aus der Struktur, nahmen Material, Fahrzeuge und Datenbestände mit – und gaben sich selbst einen Namen: Revenants. Wiedergänger. Soldaten ohne Staat, aber nicht ohne Mission. Vor einem Jahr kontrollierten die Revenants somit weite Teile Babylons: Wasserwerk, Umspannwerk, Bunker, U-Bahn-Knotenpunkte, Außenposten und mehrere Versorgungszentren. Die Einigung um die Kontrolle der Elysium Station mit den Mercenaries war damals eine pragmatische, beinahe nüchterne Übereinkunft gewesen – eine Entlastung der eigenen Kräfte zugunsten strategischer Tiefe. Man respektierte sich, man brauchte einander, und es floss kein Blut.
Heute hat sich das Einflussgebiet der Revenants drastisch verkleinert. Sie halten das Wasserwerk als Hauptquartier – einen massiven, befestigten Komplex aus Beton, Stahl und improvisierten Verteidigungsanlagen. Sie kontrollieren auch noch immer das unterirdische U-Bahn-Netz, das ihnen Bewegungsfreiheit verschafft, Nachschubrouten sichert und schnelle Truppenverlegungen ermöglicht. Das Umspannwerk jedoch ist verloren.
Zu Beginn waren es ihre eigenen Leute gewesen – Techniker, IT-Spezialisten, Netzwerkanalysten –, die für Wartung, Energieverteilung und digitale Sicherungssysteme zuständig waren. Sie bildeten das Rückgrat der militärischen Infrastruktur, sorgten dafür, dass Drohnen flogen, Filteranlagen liefen und Überwachungssysteme nicht blind wurden. Als die strategischen Differenzen zunahmen, spaltete sich diese Gruppe ab. Sie nannten sich fortan Ghostliner.
Der Bruch verlief nicht offen in einer Schlacht. Zugangscodes wurden geändert, Netzsegmente isoliert, Kontrollsysteme neu geroutet. Als die Revenants reagierten, war das Umspannwerk bereits abgeschottet – physisch wie digital. Ein direkter Sturm hätte nicht nur Verluste bedeutet, sondern die fragile Energieversorgung Babylons gefährdet. Seitdem herrscht ein kalter Konflikt.
Offiziell gibt es keine regelmäßige Kommunikation mit den Revenants. Inoffiziell sickern Gerüchte durch. Sie sichern einen erweiterten Perimeter um das Wasserwerk, ziehen zusätzliche Barrikaden, verstärken Schützenstellungen und installieren automatisierte Geschütztürme sowie Minensperren entlang kritischer Zugänge. Ihr Aufrüsten ist sichtbar – und es wirkt nicht defensiv im engeren Sinne, sondern vorbereitet. Geordnet. Zielgerichtet.
Beobachter innerhalb der Safe Zone deuten diese Maßnahmen unterschiedlich. Manche sprechen von berechtigter Selbstverteidigung in einer zunehmend instabilen Stadt. Andere fürchten Expansionspläne – eine mögliche Rückeroberung des Umspannwerks oder gar eine strategische Offensive gegen die Elysium Station, nun da die Mercenaries nicht mehr die Kontrolle darüber haben. Dass die Revenants weiterhin Zugriff auf militärische Restbestände, gepanzerte Fahrzeuge und schwere Bewaffnung haben, macht diese Spekulationen nicht weniger beunruhigend.
Ideologisch unterscheiden sich die Revenants von anderen Fraktionen vor allem durch ihre Struktur. Sie operieren weiterhin in klaren Rängen, mit Befehlsketten, Einsatzprotokollen und Disziplinarverfahren. Befehle werden nicht diskutiert, sondern ausgeführt. Ressourcen werden zentral verwaltet, nicht dezentral verteilt. Loyalität gilt der Einheit – nicht der Bevölkerung.
Und doch verstehen sie sich nicht als Tyrannen. In ihrer eigenen Erzählung sind sie die letzte Bastion funktionierender Ordnung. Während andere Fraktionen improvisieren, verhandeln oder experimentieren, halten sie an bewährten Doktrinen fest.
Die Revenants leben in einem Zustand permanenter Einsatzbereitschaft. Schichten rotieren, Patrouillen laufen im Drei-Stunden-Takt, Trainings finden selbst bei knapper Munition statt. Sie sprechen von „Operationsgebieten“, nicht von Stadtteilen. Von „Zivilisten“, nicht von Bürgern. Von „Zielen“, nicht von Hoffnungen. Was sie antreibt, ist weniger Eroberungslust als das Unvermögen, loszulassen. Für sie hat der Krieg nie aufgehört. Er hat nur sein Gesicht verändert. Und solange sie das Wasser kontrollieren, betrachten sie sich als unverzichtbar.
